AdBlue-Systemstörung am Lkw: Notlauf, Ursachen, Hilfe

Kurz gesagt: Eine AdBlue-Systemstörung heißt: Der Lkw hat einen Fehler in der Abgasreinigung mit AdBlue erkannt, etwa zu wenig oder schlechtes AdBlue, eine gestörte Dosierung oder einen defekten Sensor. Die Warnung selbst ist noch kein Notlauf. Bei Lkw mit Euro VI schreibt die UNECE-Regelung Nr. 49 je nach Ursache feste Fristen vor: Erst wird das Drehmoment um 25 Prozent gesenkt, danach ist die Geschwindigkeit auf 20 km/h begrenzt (Kriechgang). Bei schlechter AdBlue-Qualität oder einem Dosierfehler bleiben dafür höchstens 10 bzw. 20 Motorbetriebsstunden. Fahren Sie deshalb zügig in eine Fachwerkstatt – ein Batterie-Reset hilft nicht.

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AdBlue-Meldungen im Überblick

Der Wortlaut hängt vom Hersteller ab, die Beispiele stammen vom MAN TGX. Die Fristen gelten nach UNECE-Regelung Nr. 49 für schwere Lkw mit Euro VI; Hersteller dürfen früher eingreifen.

MeldungKurzantwortArtikel
„AdBlue nachfüllen“Füllstand unter 10 Prozent. Unter 2,5 Prozent sinkt das Drehmoment, bei leerem Tank folgt der Kriechgang.Fristen bei niedrigem Füllstand
„AdBlue Qualität zu gering“Verdünntes oder verunreinigtes AdBlue erkannt. Drehmoment −25 % nach spätestens 10, Kriechgang nach 20 Motorbetriebsstunden.AdBlue-Qualität zu gering: Ursachen und Hilfe
„Abgasnachbehandlung gestört“ (MAN: „AdBlue Abgassystem gestört“)Störung an einem Bauteil der Abgasreinigung. MAN: nach ca. 36 Betriebsstunden weniger Drehmoment, nach ca. 100 Kriechmodus.Abgasnachbehandlung gestört am Lkw: Bedeutung und Hilfe
„AdBlue System gestört“ (Systemstörung)Fehler an Dosierung, Pumpe, Leitungen oder Sensorik – Fall für die Fachwerkstatt. MAN zeigt die Restzeit („Kriechmodus in x h“).Häufige Ursachen
„Kriechmodus aktiv“Höchstens 20 km/h. Die Begrenzung endet erst, wenn die Ursache behoben ist.Was Sie jetzt tun sollten
„Kein Motorstart in 800 km“Beim schweren Lkw endet die Kette mit dem Kriechgang, nicht mit einer Startsperre.Lkw oder Transporter?

Was Sie bei einer AdBlue-Systemstörung jetzt tun sollten

  • Meldung und Restzeit ablesen: Das Display kann anzeigen, wie viel Zeit oder Strecke bis zur Leistungsreduzierung oder zum Kriechgang bleibt – bei MAN etwa „Leistungsreduktion in x h“.
  • Füllstand prüfen: Geht es nur um den Füllstand, hilft Nachfüllen – ausschließlich AdBlue, ohne Zusätze. Laut MAN erst nachfüllen, wenn etwa ein Viertel verbraucht ist, sonst erscheint „AdBlue zu häufig nachgefüllt“.
  • Nicht bis zum letzten Moment warten: Die Drehmomentreduzierung greift beim ersten Halt nach Fristablauf, der Kriechgang je nach Hersteller etwa nach „Zündung aus“, nach dem Tanken oder nach längerem Parken.
  • Kein Batterie-Reset: Die Warnung darf laut UNECE-Regelung Nr. 49 erst erlöschen, wenn die Ursache behoben ist. MAN warnt zudem: Nach „Zündung aus“ wird die Dosiereinheit leergeblasen. Betätigen Sie den Batteriehauptschalter frühestens 2 Minuten danach, sonst drohen Rückstände und Verstopfungen im AdBlue-System.
  • Fachwerkstatt ansteuern: MAN ordnet AdBlue-Systemstörungen der Kategorie „Werkstatt“ zu.

Wie lange Sie mit einer AdBlue-Störung noch fahren können

Eine Einheitsfrist gibt es nicht. Die UNECE-Regelung Nr. 49 (Anhang 11), auf die die EU-Verordnung 582/2011 verweist, unterscheidet nach Ursache:

  • Füllstand: Warnung spätestens unter 10 Prozent, Drehmoment −25 % unter 2,5 Prozent, Kriechgang mit 20 km/h, wenn der Tank leer ist (der Hersteller darf ihn schon unter 2,5 Prozent auslösen).
  • Qualität, Dosierung, Verbrauch: Drehmoment −25 % nach 10, Kriechgang nach 20 Motorbetriebsstunden, wenn der Fehler nicht behoben ist. Bei Wiederholung verkürzen sich die Fristen.
  • Überwachungsfehler oder Manipulation (etwa eine abgezogene NOx-Sonde): 36 bzw. 100 Motorbetriebsstunden. Dieselben Werte nennt MAN für Störungen der Abgasnachbehandlung.

Lkw oder Transporter? Eine Startsperre wie bei „Kein Motorstart in 800 km“ sieht die UNECE-Regelung Nr. 49 für schwere Lkw nicht vor. Transporter und Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen dürfen aber nach Pkw-Vorschriften genehmigt sein – dann gilt ihre Betriebsanleitung.

Häufige Ursachen einer AdBlue-Systemstörung

Kälte und Kristalle

AdBlue gefriert laut MAN bei circa −11 °C. Bei beheizten Systemen muss gefrorenes AdBlue laut UNECE-Regelung bei −7 °C spätestens 70 Minuten nach dem Start wieder verfügbar sein. Weil AdBlue beim Trocknen kristallisiert, empfiehlt MAN, den Tankdeckel regelmäßig mit klarem Wasser zu spülen. Zusätze gegen Kristallisation sind keine Lösung: MAN schreibt vor, AdBlue nicht mit anderen Stoffen zu mischen, weil sonst Bauteile wie der Katalysator ausfallen können.

Sensoren, Pumpe und Dosierung

Fällt ein Sensor, die Pumpe oder das Dosierventil aus, meldet der Lkw eine Störung – bei MAN etwa „Tankgeber AdBlue gestört“ (Füllstandssensor) oder „Elektrik AdBlue System Korrosionsgefahr“ (Leckage). Wie oft der NOx-Sensor schuld ist, belegt keine Statistik. In unserem Forum schildert ein DAF-Fahrer eine Auspuff-System-Störung am DAF XF 105, bei der der Kurztest der Werkstatt einen falschen Wert des NOx-Sensors ergab.

Schlechte AdBlue-Qualität

Erkennt das System zu schwaches oder verunreinigtes AdBlue, erscheint „Qualität zu gering“. Über circa 50 °C zersetzt sich AdBlue laut MAN – Kanister also nicht in praller Sonne lagern. Laut VDA QMC, der Zertifizierungsstelle des Verbands der Automobilindustrie, kann Ware, die nicht der Norm ISO 22241 entspricht, das SCR-System zum Ausfall bringen. Mehr dazu im Artikel AdBlue-Qualität zu gering am Lkw.

Abgasnachbehandlung und Rußpartikelfilter

MAN fasst AdBlue-System und Rußpartikelfilter unter „Abgasnachbehandlung“ zusammen. Die oft zitierte Grenze von 120 Kilometern oder 2 Stunden bis zur Werkstatt gilt bei MAN für eine nicht durchgeführte Regeneration des Rußpartikelfilters, nicht für AdBlue-Fehler. Mehr dazu im Artikel Abgasnachbehandlung gestört am Lkw.

„AdBlue Systemstörung“ beim Mercedes-Lkw

Für Actros und Atego mit Euro VI gelten dieselben Fristen wie oben; Displaytexte und Menüs stehen in der Betriebsanleitung. Für Vito und Sprinter gilt deren eigene Anleitung, siehe Lkw oder Transporter.

Emulator statt Reparatur?

Nein. Eingriffe wie ein AdBlue-Emulator sind laut Bundesregierung (Drucksache 18/12291) eine Ordnungswidrigkeit und können die Betriebserlaubnis kosten; bei bestätigtem Verdacht wird die Weiterfahrt untersagt und zu wenig gezahlte Maut nacherhoben.

Weiterführend

Quellen: UNECE-Regelung Nr. 49, Anhang 11 (über VO (EU) 582/2011, Anhang XIII); MAN-Betriebsanleitung Baureihe TGX (05/2020); VDA QMC; BT-Drucksache 18/12291

Foto: Mercedes

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Bei technischen Störungen immer die Fachwerkstatt aufsuchen.