Abgasnachbehandlung gestört am Lkw: Notlauf und Hilfe

„Abgasnachbehandlung gestört“ heißt: Ein System, das die Abgasreinigung überwacht oder beeinflusst, hat einen Fehler erkannt – zum Beispiel im AdBlue-System. Der Lkw fährt zunächst normal weiter. Bei Störungen im AdBlue-System sinkt nach einer Frist das Drehmoment um 25 %, später ist bei 20 km/h Schluss. Die Restzeit zeigen viele Lkw im Display an (MAN: „in x h“). Lassen Sie den Fehler vor Ablauf dieser Frist in einer Fachwerkstatt beheben.

Was bedeutet „Abgasnachbehandlung gestört“?

Euro-6-Lkw reinigen das Abgas mit Dieselrußpartikelfilter (DPF) und einem Katalysator, in den AdBlue eingespritzt wird. Erkennt die Elektronik in diesem Bereich eine Störung, erscheint eine Textmeldung.

Den Wortlaut legt jeder Hersteller selbst fest. In der Betriebsanleitung des MAN TGX (Stand 05/2020) stehen unter anderem:

  • „AdBlue Abgassystem gestört. Leistungsreduktion in x h“ – danach wird das Drehmoment reduziert.
  • „AdBlue System gestört. Leistung ist reduziert. Kriechmodus in x h“ – danach droht die Begrenzung auf ca. 20 km/h.
  • „… Kriechmodus ist aktiv“ – Drehmoment reduziert, Höchstgeschwindigkeit 20 km/h.

MAN führt alle drei als Werkstattmeldung. Zusätzlich gibt es eine Kontrollleuchte Abgasnachbehandlung: Leuchtet sie nach dem Motorstart ca. 15 Sekunden und erlischt oder leuchtet sie dauerhaft, wurde eine Störung festgestellt. Bei Mercedes, Scania, Volvo, DAF oder Iveco gilt die Meldungsliste in der Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs.

Sofortmaßnahme

  1. Meldung festhalten: Text und angezeigte Restzeit notieren oder das Display fotografieren.
  2. AdBlue-Füllstand prüfen: Steht zusätzlich „AdBlue nachfüllen“ im Display, nach MAN-Anleitung mindestens 5 Liter nachfüllen.
  3. Werkstatt anrufen: Termin innerhalb der angezeigten Restzeit vereinbaren.
  4. Keinen Batterie-Reset versuchen: Er löscht die Störung nicht, denn die Warnung darf erst erlöschen, wenn die Ursache behoben ist. Außerdem wird die Dosiereinheit nach „Zündung aus“ leergeblasen. MAN verlangt, mit dem Batteriehauptschalter mindestens 2 Minuten zu warten, sonst drohen Verstopfungen.
  5. Nichts in den AdBlue-Tank mischen: Laut MAN können sonst Bauteile wie der Katalysator ausfallen.

Die erste Leistungsreduktion setzt laut UNECE-Regelung Nr. 49 beim nächsten Halt ein, nicht mitten in der Fahrt. Die 20-km/h-Begrenzung greift je nach Hersteller nach „Zündung aus“, nach dem Tanken oder nach längerem Parken (über eine Stunde). Planen Sie, die Werkstatt vor Ablauf der Frist zu erreichen. Nach dem nächsten Abstellen kann der Lkw auf 20 km/h begrenzt sein.

Ursachen

Das System überwacht laut UNECE-Regelung Nr. 49 vier Bereiche:

  • Füllstand: zu wenig oder kein AdBlue im Tank.
  • Qualität: AdBlue-Konzentration unter dem Mindestwert des Herstellers, mehr dazu im Artikel AdBlue-Qualität zu gering: Ursachen und was Sie tun.
  • Verbrauch und Dosierung: zu geringer AdBlue-Verbrauch oder unterbrochene Zufuhr.
  • Überwachungsfehler: elektrische Störungen, abgezogene oder deaktivierte Sensoren (etwa NOx-Sensor), Störung des AGR-Ventils. Die Regelung führt sie als „Fehler, die auf Manipulation zurückzuführen sein könnten“. Dazu zählen auch elektrische Störungen wie ein Kabelbruch, ohne dass jemand manipuliert hat.

MAN nennt außerdem „Tankgeber AdBlue gestört“ (Füllstandssensor defekt) und „Elektrik AdBlue System Korrosionsgefahr“ (Leckage im AdBlue-System). Im Forum berichtet ein DAF-Fahrer bei so einer Meldung von einem defekten NOx-Sensor. Das ist eine Praxisstimme, keine Statistik.

Wann in die Werkstatt?

Immer, und zwar bevor die Restzeit im Display abgelaufen ist. Die Höchstfristen nach UNECE-Regelung Nr. 49 (Anhang 11):

Ursache Drehmoment −25 % 20 km/h
Füllstand (Warnung unter 10 %) unter 2,5 % Tank leer
Qualität zu gering nach 10 Motorbetriebsstunden nach 20 Motorbetriebsstunden
Verbrauch/Dosierung gestört nach 10 Motorbetriebsstunden nach 20 Motorbetriebsstunden
Überwachungsfehler nach 36 Motorbetriebsstunden nach 100 Motorbetriebsstunden

Die MAN-Anleitung nennt für Störungen in Systemen, die die Abgasqualität überwachen oder beeinflussen, ca. 36 bzw. 100 Betriebsstunden. Das entspricht der Zeile Überwachungsfehler. Bei Qualitäts- und Dosierfehlern erlaubt die UNECE-Regelung nur 10 bzw. 20 Stunden. Welcher Fall vorliegt, sehen Sie der Meldung oft nicht an. Rechnen Sie deshalb mit der kürzeren Frist und richten Sie sich nach der Restzeit im Display.

Hersteller dürfen früher eingreifen: MAN begrenzt laut Anleitung schon unter 2,5 % Füllstand auf 20 km/h.

Nicht verwechseln mit dem Rußpartikelfilter: Leuchtet die Kontrollleuchte Dieselrußpartikelfilter, verlangt MAN, spätestens nach 3 bis 4 Stunden für ca. 45 bis 60 Minuten schneller als ca. 50 km/h zu fahren. Wird eine Regeneration in der Werkstatt angefordert, gilt: nächste Fachwerkstatt, nicht mehr als 120 km oder 2 Stunden. Diese Grenze gehört zum DPF, nicht zu AdBlue-Störungen.

Rechtslage

MAN weist in der Betriebsanleitung darauf hin: Wird eine Störung des Abgaskontrollsystems festgestellt, erlischt die Typzulassung. Der Betrieb kann dann gegen Vorschriften verstoßen, und Vergünstigungen wie Steuer- oder Mautvorteile können rückwirkend entfallen. Lassen Sie die Störung deshalb zeitnah beheben, auch wenn der Lkw noch normal fährt.

Wer die Störung mit einem AdBlue-Emulator oder abgeklemmten Sensoren „löst“, begeht laut Bundesregierung (Bundestagsdrucksache 18/12291, 2017) eine Ordnungswidrigkeit; die Betriebserlaubnis kann erlöschen. Bestätigt sich der Verdacht bei einer Kontrolle, wird die Weiterfahrt untersagt, bis das Fahrzeug wieder in Ordnung ist, und zu wenig gezahlte Maut wird nacherhoben. Das Aufforderungssystem dauerhaft abschalten darf nur der Hersteller (VO (EU) Nr. 582/2011, Anhang XIII).

Häufige Fragen

Wie lange kann ich mit „Abgasnachbehandlung gestört“ noch fahren?

Das hängt von der Ursache ab: bei Qualitäts- und Dosierfehlern 10 bzw. 20 Motorbetriebsstunden, bei Überwachungsfehlern 36 bzw. 100. Tritt der Fehler wiederholt auf, verkürzen sich diese Fristen. Bei leerem Tank, je nach Hersteller schon unter 2,5 %, folgt die 20-km/h-Stufe. Maßgeblich ist die Restzeit im Display.

Geht die Meldung von selbst weg?

Nur wenn die Ursache beseitigt ist, etwa nach dem Nachfüllen. Löschen per Lesegerät ist laut UNECE-Regelung Nr. 49 ebenfalls erst nach Behebung der Ursache vorgesehen. Batterie abklemmen hilft nicht und kann dem AdBlue-System schaden.

Gibt es beim Lkw „Kein Motorstart in 800 km“?

Beim schweren Lkw endet die Kette laut UNECE-Regelung Nr. 49 bei 20 km/h. Für Lkw bis 7,5 t (Klassen N1 und N2) darf der Hersteller stattdessen die Pkw-Vorschriften anwenden – dort gilt die Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs.

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