Motorbremse, Retarder und Intarder sind verschleißfreie Dauerbremsen. Laut MAN wirkt die Motorbremse umso stärker, je höher die Drehzahl ist, der Retarder dagegen umso stärker, je schneller Sie fahren. „Intarder“ ist der Produktname von ZF für einen Retarder, der ins Getriebe eingebaut ist. Beim MAN TGX bedienen Sie Motorbremse und Retarder gemeinsam in Stufen über den Lenkstockschalter.
Was ist der Unterschied zwischen Motorbremse, Retarder und Intarder?
Laut MAN entlastet die Dauerbremse die Betriebsbremse; diese steht im Notfall mit voller Bremswirkung zur Verfügung. Die Dauerbremse hält außerdem bei langen Bergabfahrten die Geschwindigkeit oder bremst aus hohem Tempo ab. Zum Festhalten des stehenden Fahrzeugs taugt keine Dauerbremse.
- Motorbremse: Die Bremsleistung hängt von der Motordrehzahl ab. Je höher die Drehzahl, desto stärker bremst sie. Ein niedrigerer Gang hebt die Drehzahl und damit die Bremswirkung.
- Retarder (MAN): Er ist beim TGX motorseitig eingebaut. Seine Bremsleistung hängt von der Geschwindigkeit ab und ist bei mittlerem und hohem Tempo am größten. Eine Elektronik regelt das Zusammenspiel mit der Motorbremse.
- Intarder (ZF): Laut ZF ist er eine hydrodynamische Bremse im Getriebe. Sie bremst unabhängig von der Motordrehzahl und in mehreren Stufen. Die Bremskraft bleibt auch beim Kuppeln und Schalten erhalten. ZF bietet den Intarder für seine 12- und 16-Gang-Schaltgetriebe und für die TraXon-Automatik an.
Ob Ihr Lkw nur eine Motorbremse oder zusätzlich einen Retarder oder Intarder hat, hängt von der Ausstattung ab. Das steht in der Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs.
So bedienen Sie die Dauerbremse beim MAN TGX
Die Schritte stammen aus der Betriebsanleitung des MAN TGX (Ausgabe 05/2020). Bei anderen Marken liegen Hebel und Stufen anders. Maßgeblich ist dann die Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs.
- Volle Bremsleistung: Lenkstockschalter bis zum Anschlag nach unten drücken und loslassen. Im Display erscheint das Symbol der Dauerbremse.
- Stufenweise mehr: Lenkstockschalter bis zum Druckpunkt nach unten drücken und loslassen. Jedes Mal wird die Bremsleistung um eine Stufe erhöht, das Display zeigt die Stufe. Alternativ halten Sie den Schalter am Druckpunkt, bis die gewünschte Stufe erreicht ist.
- Stufenweise weniger: Lenkstockschalter bis zum Druckpunkt nach oben drücken. Beim Zurückschalten von Stufe 1 auf Stufe 0 ist die Dauerbremse aus.
- Ganz ausschalten: Lenkstockschalter bis zum Anschlag nach oben drücken oder Gas geben.
Bei kaltem Motor (Kühlflüssigkeit unter etwa 60 °C) und mehr als etwa 25 km/h erwärmt die Dauerbremse ab Stufe 3 die Kühlflüssigkeit schneller. Steigt die Temperatur über etwa 60 °C, schaltet sie automatisch ab. Fällt das elektronische Bremssystem aus, lässt sich die Dauerbremse nur noch stufenweise zuschalten.
Störung der Dauerbremse: Meldungen beim MAN
Der TGX meldet Probleme im Display. Die Anleitung nennt dazu:
- „Dauerbremse nicht bedienbar. Funktion gestört.“ Die Taste oder die elektrische Verbindung zur Taste ist defekt. Wenn nötig, prüft die Fachwerkstatt.
- „Motorbremse ausgefallen“: Die Dauerbremse ist ausgefallen, betroffen ist die Motorbremse oder der Retarder. Mit dem Bremspedal bremsen, Sicherungen kontrollieren und die Störung sofort in der Fachwerkstatt beheben lassen.
- „Retarderleistung reduziert“ oder „Retardertemperatur zu hoch“: Der Retarder droht zu überhitzen oder das Öl im Retarder ist zu heiß, im zweiten Fall schaltet er sich automatisch ab. Langsamer fahren, zurückschalten und mit höherer Drehzahl weiterfahren. Erlischt die Meldung, noch eine Weile langsamer bleiben.
- „Bremse zu heiß. Reduzierte Bremswirkung“: Die Betriebsbremse ist überhitzt. Dauerbremse zuschalten, zurückschalten, mit der Betriebsbremse auf eine niedrige Geschwindigkeit abbremsen und langsam weiterfahren, bis die Bremse abgekühlt ist.
MAN warnt außerdem: Wer bei längeren Bergabfahrten mit dem Abstandstempomaten ACC fährt, kann die Betriebsbremse überhitzen. MAN rät dann: Dauerbremse zuschalten, mit der Betriebsbremse auf niedrigeres Tempo abbremsen und langsamer weiterfahren.
Wann in die Werkstatt?
- „Motorbremse ausgefallen“ erscheint: sofort.
- „Dauerbremse nicht bedienbar“: Taste oder Verbindung defekt, wenn nötig in die Fachwerkstatt.
- „Retarderleistung reduziert“ oder „Retardertemperatur zu hoch“ erscheint häufiger.
- „Bremse zu heiß“ erscheint mehrmals in kurzen Abständen. Dann laut MAN sofort anhalten, soweit der Verkehr es zulässt, und die Bremse abkühlen lassen.
Sicherheit und Rechtslage
Nicht auf rutschiger Fahrbahn zuschalten. Die Dauerbremse passt sich laut MAN nicht an die Straßenverhältnisse an. Auf Glätte drohen Schleudern und Rutschen.
Nach § 41 Abs. 15 StVZO müssen Kraftfahrzeuge mit mehr als 9 t zulässigem Gesamtgewicht (Kraftomnibusse mit mehr als 5,5 t) eine Dauerbremse haben. Als Dauerbremse gelten Motorbremsen oder in der Bremswirkung gleichartige Einrichtungen. Ihre Leistung muss der Bremsbelastung entsprechen, die das voll beladene Fahrzeug bei 30 km/h auf 6 km Gefälle mit 7 Prozent erzeugt. Ausgenommen sind Fahrzeuge bis 25 km/h.
Häufige Fragen
Ist ein Intarder etwas anderes als ein Retarder?
Nein, er ist ein Retarder, den ZF ins Getriebe einbaut. Als Unterschied zu Retardern anderer Hersteller nennt ZF den platzsparenden Einbau im Getriebe. Außerdem reißt die Bremskraft laut ZF beim Kuppeln und Schalten nicht ab. Wie Sie ihn in Ihrem Lkw bedienen, steht in der Betriebsanleitung des Fahrzeugs.
Warum bremst die Motorbremse bergab so schwach?
Ihre Wirkung hängt von der Drehzahl ab. Bei niedriger Drehzahl bremst sie wenig. Ein kleinerer Gang erhöht die Drehzahl und damit die Bremsleistung.
Kann die Dauerbremse den Lkw im Stand halten?
Nein. MAN schreibt ausdrücklich, dass die Dauerbremse nicht als Feststellbremse genutzt werden kann. Zum Abstellen gehört die Feststellbremse angezogen.
