Die Meldung „AdBlue Qualität zu gering“ heißt: Das Fahrzeug hat schlechte AdBlue-Qualität erkannt, also eine Harnstofflösung, deren Konzentration unter dem vom Hersteller festgelegten Mindestwert liegt. Laut UNECE-Regelung Nr. 49 wird das Drehmoment um 25 % reduziert, wenn das Problem nicht innerhalb von 10 Motorbetriebsstunden behoben ist, nach 20 Stunden ist bei 20 km/h Schluss. Fahren Sie in eine Fachwerkstatt und kippen Sie nichts zusätzlich in den Tank.
Der Wortlaut stammt aus der MAN-Betriebsanleitung TGX (Ausgabe 05/2020). Bei anderen Herstellern heißt die Warnung anders. Welcher Text bei Ihrem Lkw erscheint, steht in der Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs. Die Fristen stammen aus der UNECE-Regelung und gelten für schwere Euro-6-Lkw. Fahrzeuge bis 7,5 t dürfen nach Pkw-Recht genehmigt sein, dort kann es anders laufen. Einen Überblick über alle AdBlue-Warnungen finden Sie im Artikel AdBlue-Systemstörung am Lkw.
Was bedeutet „AdBlue Qualität zu gering“?
Jeder Euro-6-Lkw mit AdBlue-System muss erkennen, ob die Harnstofflösung im Tank die nötige Konzentration hat. Der Hersteller legt dafür eine Mindestkonzentration fest. Alles darunter gilt als unzureichend. Ein Zähler erfasst ab dann die Motorbetriebsstunden, die der Lkw mit dem schlechten AdBlue läuft.
Bei MAN gibt es zwei Stufen der Meldung:
- „AdBlue Qualität zu gering. Leistungsreduktion in x h“: Ungenügende Qualität wurde festgestellt. Wird die Meldung ignoriert, droht eine Reduzierung des Motordrehmoments. Das Display zeigt die Restzeit.
- „AdBlue Qualität zu gering. Kriechmodus ist aktiv“: Das Drehmoment ist reduziert, die Geschwindigkeit auf 20 km/h begrenzt.
MAN ordnet beide Meldungen der Kategorie „Werkstatt“ zu: Die Störung soll eine Fachwerkstatt sofort prüfen und beheben.
Sofortmaßnahme: Was Sie jetzt tun
- Restzeit ablesen. Die Stunden bis zur Leistungsreduktion zeigt das Display. Die Drehmomentreduzierung greift laut UNECE-Regelung Nr. 49 beim ersten Halt, nachdem die Frist abgelaufen ist.
- Werkstatt anfahren. Planen Sie die Fahrt so, dass Sie die Werkstatt vor Ablauf der Frist erreichen.
- Nichts beimischen. MAN warnt ausdrücklich: Wird AdBlue mit anderen Stoffen gemischt, können Teile der Abgasreinigung wie der Katalysator ausfallen. Additive, Reiniger und andere Flüssigkeiten gehören nicht in den AdBlue-Tank.
- Letzte Betankung notieren. Wo, wann und aus welchem Gebinde Sie zuletzt AdBlue getankt haben, hilft der Werkstatt bei der Ursachensuche.
Den Fehlerspeicher löschen zu lassen, verschafft keine Zeit. Laut UNECE-Regelung Nr. 49 darf sich die Warnung per Lesegerät erst abschalten lassen, wenn die Ursache behoben ist. Der Stundenzähler bleibt beim Löschen erhalten.
Ursachen für schlechte AdBlue-Qualität
- Ware nicht nach Norm: AdBlue® ist eine geschützte Marke des Verbands der Automobilindustrie (VDA). Lizenznehmer müssen in der Qualität nach ISO 22241 herstellen. Laut VDA QMC wird teils AdBlue angeboten, das dieser Norm nicht entspricht, teils sogar ohne Lizenz unter dem Namen AdBlue. Das kann schlimmstenfalls zum Ausfall des SCR-Systems führen.
- Verunreinigung unterwegs: Die Lizenznehmer müssen ihre Lieferkette überwachen, damit AdBlue zum Beispiel beim Umfüllen in kleinere Behälter nicht mit anderen Stoffen verunreinigt wird. Umfüllen ist damit eine mögliche Fehlerquelle.
- Gemischt oder falsch befüllt: AdBlue ist kein Kraftstoffadditiv, sondern kommt in einen eigenen Tank. MAN schreibt vor, nur AdBlue in der vorgeschriebenen Qualität einzufüllen und es nicht mit anderen Stoffen zu mischen.
Ob wirklich das AdBlue oder die Messung schuld ist, klärt die Werkstatt. Auskunft zur geforderten AdBlue-Qualität gibt laut Betriebsanleitung jeder MAN-Servicestützpunkt.
Wann in die Werkstatt?
Sofort, sobald die Meldung erscheint. Ab dem Moment läuft der Zähler. Laut UNECE-Regelung Nr. 49 verkürzen sich die Fristen außerdem, wenn der Fehler wiederholt auftritt.
Haben Sie versehentlich Diesel oder eine andere Flüssigkeit in den AdBlue-Tank gefüllt, starten Sie den Motor vorsichtshalber nicht. Rufen Sie die Werkstatt oder den Pannendienst. Eine allgemeingültige Schrittfolge für diesen Fall nennt die MAN-Anleitung nicht.
Ähnlich läuft es bei anderen Störungen der Abgasreinigung, allerdings mit anderen Fristen: Abgasnachbehandlung gestört am Lkw.
Sicherheit beim Umgang mit AdBlue
- AdBlue kann Hautreizungen hervorrufen. Hautkontakt vermeiden.
- AdBlue ist stark korrosiv und greift lackierte Metallflächen an. Spritzer mit viel klarem Wasser abspülen.
- AdBlue nicht über ca. 50 °C lagern, es zersetzt sich laut MAN.
- Über circa 50 °C entstehen ammoniakhaltige Dämpfe. Diese nicht einatmen.
- AdBlue ist wassergefährdend. Es darf nicht ins Erdreich, in Gewässer oder in die Kanalisation gelangen.
Häufige Fragen
Wie lange kann ich mit der Meldung noch fahren?
Laut UNECE-Regelung Nr. 49 folgt die Drehmomentreduzierung um 25 %, wenn die Qualität nicht binnen 10 Motorbetriebsstunden berichtigt ist, und die Begrenzung auf 20 km/h nach 20 Stunden. Die tatsächliche Restzeit zeigt Ihr Display. Bei wiederholtem Fehler wird sie kürzer.
Kann ich die AdBlue-Qualität selbst prüfen?
Ein Prüfverfahren für Fahrer nennt die MAN-Anleitung nicht. Sie verweist für Auskünfte zur AdBlue-Qualität auf die MAN-Servicestützpunkte. Vorbeugend empfiehlt sich AdBlue in ISO-22241-Qualität aus verlässlicher Quelle.
Helfen Zusätze oder Verdünnen?
Nein. MAN untersagt, AdBlue mit anderen Stoffen zu mischen, weil sonst Bauteile der Abgasreinigung wie der Katalysator ausfallen können. Das gilt auch für Mittel, die gegen Kristallbildung angeboten werden.
