Ein Drehschemelanhänger hat zwei Drehpunkte – die Kupplung am Lkw und den Drehschemel unter dem Anhänger. Deshalb reagiert er beim Rückwärtsfahren verzögert und genau andersherum als ein Sattelauflieger oder Tandemanhänger: Sie lenken in die Richtung, in die das Heck des Anhängers soll, mit kleinen Lenkbewegungen, und lenken früh wieder zurück. In der CE-Prüfung fahren Sie damit zwei Rückwärtsaufgaben: Umkehren nach links und geradeaus an eine Rampe.
Warum knickt der Drehschemelanhänger anders ein?
Beim Sattelzug und beim Zentralachsanhänger gibt es nur einen Knickpunkt: Schwenkt das Heck des Lkw nach links, schiebt es die Front des Anhängers mit, und das Anhängerheck wandert nach rechts. Wer so gelernt hat, lenkt rückwärts entgegengesetzt.
Beim Drehschemelanhänger sitzt dazwischen die Deichsel mit dem drehbaren Vorderachsschemel. Die Bewegung kehrt sich deshalb zweimal um:
- Sie lenken nach links, das Heck des Lkw schwenkt nach links.
- Die Deichsel knickt an der Kupplung ab und dreht den Drehschemel gegenläufig.
- Erst danach folgt der Aufbau – und zwar wieder in Ihre Lenkrichtung, also nach links.
Am Ende verhält sich der Zug ähnlich wie ein Pkw beim Zurücksetzen. Nur kommt die Reaktion spät: Zuerst schwenkt die Vorderachse des Anhängers zur Gegenseite, erst danach läuft das Heck in Ihre Lenkrichtung. Wer dann nachlenkt, übersteuert. Wie jede Knickverbindung ist ein Gliederzug rückwärts außerdem instabil: Ein einmal begonnener Knick wird von selbst größer, bis Sie gegenlenken. Die Erklärung folgt aus der Geometrie des Zugs; eine Herstellerangabe zur Fahrtechnik gibt es nicht.
So gehen Sie beim Rückwärtsfahren vor
Praxis aus unserem Forum: Im Thread Fahranfänger: Probleme mit dem Drehschemelanhänger raten erfahrene Fahrer zu diesem Vorgehen. Es ist Erfahrungswissen, keine amtliche Vorgabe:
- Zuerst gerade stellen: Zug in eine gerade Linie bringen, bevor Sie zurücksetzen.
- Linie vorher ansehen: aussteigen, mit Abstand anschauen, wie der Anhänger laufen muss, und die Linie anfangs ruhig mit Paletten oder Ähnlichem markieren.
- In die Zielrichtung lenken: Lenken Sie dorthin, wohin das Anhängerheck soll – nicht entgegengesetzt wie beim Sattelzug.
- Nicht überlenken: kleine Lenkbewegungen, langsam fahren und abwarten, bis der Anhänger reagiert.
- Auf die Räder schauen: Im Spiegel die Achsen des Anhängers beobachten. Der Drehschemel bestimmt, wohin die hintere Achse läuft.
- Auf freier Fläche üben: leerer Hof oder Parkplatz, ohne Zeitdruck.
Im Forum-Thread CE-Prüfung: Probleme mit Drehschemel rangieren raten Fahrer außerdem: Sobald der Anhänger in die gewünschte Richtung wandert, sofort zurücklenken. Und wer sich verfahren hat, zieht so weit vor, bis der ganze Zug wieder gerade steht, statt im Zickzack zu korrigieren.
Typische Fehler
- Sattelzug-Reflex: entgegengesetzt lenken wie beim Auflieger oder Tandemanhänger. Der Anhänger läuft dann in die falsche Richtung.
- Zu spät gegenlenken: Weil die Reaktion verzögert kommt, wird der Knick schnell zu groß.
- Zu große Lenkeinschläge: Der Drehschemel schlägt weit aus, Korrekturen werden hektisch.
- Zu kurz vorziehen: Der Zug steht nach dem Vorziehen noch schräg, der nächste Versuch beginnt mit einem Fehler.
CE-Prüfung: Diese Grundfahraufgaben fahren Sie
Mit einem Gliederzug ohne Starrdeichselanhänger, also etwa mit Drehschemelanhänger, stehen in der CE-Prüfung genau zwei Grundfahraufgaben an (FeV Anlage 7 Nr. 2.1.4.5.1):
- Umkehren durch Rückwärtsfahren nach links
- Rückwärtsfahren geradeaus an eine Rampe zum Be- oder Entladen
Mit Sattelzug oder Zentralachsanhänger sind es andere Aufgaben: rückwärts um eine Ecke nach links und rückwärts mit Versetzen nach rechts an eine Rampe (Nr. 2.1.4.5.2). Prüfen Sie also vor der Prüfung, mit welcher Kombination Sie fahren.
Der Anhänger des Prüfungszugs hat einen kastenförmigen oder vergleichbaren Aufbau. Nach hinten sehen Sie nur über die Außenspiegel oder andere zugelassene Einrichtungen für indirekte Sicht (Nr. 2.2.7). Üben Sie deshalb von Anfang an nur mit den Spiegeln.
Sicherheit: Wann Sie einen Einweiser brauchen
Nach der Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 70 (§ 46) dürfen Sie nur rückwärtsfahren, wenn sicher ist, dass niemand gefährdet wird. Können Sie das nicht sicherstellen, müssen Sie sich einweisen lassen. Der Einweiser steht im Sichtbereich des Fahrers, nie zwischen dem Fahrzeug und einem Hindernis in Fahrtrichtung, und macht währenddessen nichts anderes. Auf engen Höfen und an Rampen mit Personenverkehr heißt das: lieber einmal aussteigen und nachsehen oder jemanden einweisen lassen.
Häufige Fragen
Lenke ich wie beim Pkw oder entgegengesetzt?
Wie beim Pkw: Sie lenken in die Richtung, in die das Anhängerheck soll. Der Unterschied ist die Verzögerung. Die Deichsel knickt zuerst gegenläufig ein, erst danach dreht der Aufbau in Ihre Richtung.
Warum klappt es mit dem Tandemanhänger, aber nicht mit dem Drehschemel?
Ein Tandem- oder Zentralachsanhänger hat nur einen Drehpunkt und reagiert wie ein Sattelauflieger: entgegengesetzt lenken. Der Drehschemelanhänger hat einen zweiten Drehpunkt und kehrt die Reaktion um. Wer umsteigt, muss die gewohnte Lenkrichtung bewusst umlernen.
Wie oft darf ich in der Prüfung korrigieren?
Das steht nicht in der Fahrerlaubnis-Verordnung. Durchführung und Bewertung der Grundfahraufgaben regelt die Prüfungsrichtlinie mit dem Fahraufgabenkatalog (FeV Anlage 7 Nr. 2.1.4). Fragen Sie Ihren Fahrlehrer, worauf der Prüfer achtet.
