So kaputt ist Deutschlands wichtigste Brücke

Hamburg – Deutschland, Deine marode Infrastruktur – überall bröckelt und rieselt es. Aktuellstes Beispiel: die marode Köhlbrandbrücke in Hamburg. Die wichtigste Hafenbrücke des Landes muss durch einen Neubau ersetzt werden.

Seit Jahren wird an dem Mega-Bauwerk (3618 Meter lang, Baujahr 1974) herumgewerkelt. Aber erst jetzt wird bekannt, wie kaputt die Brücke wirklich ist.

Die Köhlbrandbrücke überspannt den gleichnamigen Elbarm von West nach Ost. Das gesamte Bauwerk ist inklusive der Rampen 3318 Meter lang. 520 Sensoren überwachen den Zustand

Die Köhlbrandbrücke überspannt den gleichnamigen Elbarm von West nach Ost. Das gesamte Bauwerk ist inklusive der Rampen 3318 Meter lang. 520 Sensoren überwachen den Zustand.

Die Schilderungen über den Zustand sind heftig:

– Seit 2019 treten „kontinuierlich Ermüdungsrisse sowohl im Bereich des Deckblechs (darauf sind die Fahrbahnen, Anm. die Red.), der Längsrippen als auch in den Hauptträgern auf“, heißt es.

– Allein im vergangenen Jahr seien „an fünf Wochenenden 33 Risse“ instandgesetzt worden.

– Aber: Es sei „nicht gelungen, alle aktuell detektierten Risse vollständig zu beheben“.

Wissenschaftler und Behörde haben sogar schon einen Roboter-Hund mit 360-Grad-Kamera bei der Suche nach Rissen im Brückeninneren eingesetzt
Wissenschaftler und Behörde haben sogar schon einen Roboter-Hund mit 360-Grad-Kamera bei der Suche nach Rissen im Brückeninneren eingesetzt

Sogar an bereits reparierten Schweißnähten seien „erneut Risse aufgetreten“, eine Reparatur an solchen Stellen könne nicht beliebig oft wiederholt werden.

– Schäden durch sogenannten Betonkrebs seien „auf Dauer nicht zu beheben“.

Die Knallhart-Bilanz der Brückenexperten der Hafenbehörde HPA:

„Die Köhlbrandbrücke (…) ist deutlich geschädigt und perspektivisch abgängig.“ Behörden-Deutsch für: Das Ding ist nicht zu retten und muss abgerissen werden.

Will Abriss und Neubau: Hamburgs Hafen- und Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (46, SPD)
Will Abriss und Neubau: Hamburgs Hafen- und Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (46, SPD)Foto: Andreas Costanzo

Als Hauptgrund für den desolaten Zustand wird der kontinuierlich steigende Lkw-Verkehr angegeben. 12 700 Lkw befahren täglich die Querung über den Köhlbrand, einen Elbarm. Seit 1974 hat sich diese Zahl etwa verdoppelt – und die erwartete Lebensdauer des Bauwerks (100 Jahre) deutlich gesenkt.

Noch kann die Brücke befahren werden – aber es gibt bereits Einschränkungen: Überholverbot und Abstandsgebot für Lkw, damit die Last nicht zu groß wird.

Quelle