Während der batterieelektrische eActros 600 gerade seinen großen Serienstart feiert, zündet Daimler Truck im Hintergrund bereits die nächste Stufe der Antriebswende. Die Zeit der reinen Prototypen ist vorbei. Wie das Unternehmen bestätigt, startet ab Ende 2026 im Stammwerk Wörth die Produktion einer exklusiven Kleinserie von 100 Brennstoffzellen-LKWs des Typs „NextGenH2“.
Wir werfen einen Blick unter die Haube der Technik, die den Diesel auf der extremen Langstrecke endgültig ablösen soll.
High-Tech aus Wörth: Die Brennstoffzelle von cellcentric
Das Herzstück des neuen GenH2 ist nicht mehr der Dieselmotor, sondern ein hochkomplexes Kraftwerk. Hier setzt Daimler auf das Joint Venture cellcentric, das man gemeinsam mit der Volvo Group betreibt.
- Die Leistungsdaten: Im Fahrzeug arbeiten zwei Brennstoffzellen-Systeme mit je 150 Kilowatt (kW). Das ergibt eine dauerhafte Systemleistung von 300 kW.
- Der Boost: Für steile Anstiege am Brenner oder Überholmanöver ist zusätzlich eine Puffer-Batterie verbaut, die kurzzeitig weitere 400 kW beisteuern kann. Das Drehmoment steht – typisch für E-Motoren – sofort zur Verfügung.

Warum Flüssigwasserstoff (sLH2) statt Gas?
Experten wissen: Wasserstoff ist nicht gleich Wasserstoff. Während viele PKW-Hersteller auf gasförmigen Wasserstoff mit 700 bar Druck setzen, geht Mercedes einen technisch anspruchsvolleren Weg: sLH2 (subcooled liquid hydrogen).
Der Vorteil liegt auf der Hand: Durch die Kühlung auf minus 253 Grad Celsius erreicht der Wasserstoff eine extrem hohe Energiedichte. Mit zwei 44-Kilogramm-Edelstahltanks am Chassis sind Reichweiten von über 1.000 Kilometern mit einer einzigen Tankfüllung möglich. Das bewies Daimler bereits eindrucksvoll beim „HydrogenRecordRun“ (1.047 km mit 40 Tonnen). Damit bietet der GenH2 exakt die Flexibilität und Nutzlast eines vergleichbaren Diesel-Actros.
Der Fahrplan: Von den Alpen in die Kundenhand
Nach intensiven Härtetests in den Alpen Ende 2025, wo der Antrieb seine Bergtauglichkeit und Kälteresistenz bewiesen hat, geht es nun in die Praxis. Die angekündigte Kleinserie von 100 Fahrzeugen wird gezielt an Pilotkunden wie Amazon, Air Products, INEOS und Holcim ausgeliefert.
Das Ziel ist klar: Daimler will beweisen, dass die Wasserstoff-Technologie im harten 24/7-Logistik-Alltag genauso zuverlässig funktioniert wie der Verbrenner. Die Großserienproduktion wird für die frühen 2030er Jahre angepeilt.
Fazit
Daimler fährt eine klare Doppelstrategie: Batterie (eActros) für planbare Routen, Wasserstoff (GenH2) für die flexible Langstrecke und schwere Lasten. Mit dem Start der Produktion in Wörth wird aus der Vision nun greifbare Realität auf der Straße.
Quelle: Daimler Truck AG / cellcentric / Logistra / Redaktion BrummiOnline
Photo: Daimler Truck AG
