Nächtlicher Schwerlasttransport: Gigantische Anlage erreicht Papierfabrik in Schongau

Ein gigantisches Anlagenteil für die neue Wärmerückgewinnung der TMP-Anlage des Papierwerks UPM ist in der Nacht auf Montag in Schongau angekommen – ein Schwerlasttransport, wie man ihn nicht aller Tage erlebt.

Schongau – 4,8 Meter breit und 32 Meter lang: Der Schwertransport, der im Dunkel der Nacht auf dem Schongauer Werksgelände des Papierherstellers UPM eintrifft, hat gigantische Ausmaße. Punkt 1 Uhr morgens passiert der Schwerlasttransport mit sechs Begleitfahrzeugen das Nadelöhr Peiting. Am Kreisverkehr müssen Schilder abgeschraubt werden, damit das XXL-Gefährt sich in Richtung Schongau durchzwängen kann. 20 Minuten später passiert die blinkende Fahrzeugkolonne das Werkstor in Schongau.

Der Transport hat eine lange Reise hinter sich: Bereits vor einer Woche war er in Örnsköldsvik in Nord-Schweden verladen worden. Weiter war es durch Schweden bis zum Fährhafen in Trelleborg gegangen. Mit der Fähre reiste der Transport nach Rostock, von wo aus die Reise quer durch Deutschland weitergegangen war.

Nächtlicher Schwerlasttransport: Gigantische Anlage erreicht Papierfabrik in Schongau

Der Reboiler, also der Frischdampferzeuger, der für eine hocheffiziente Wärmerückgewinnung benötigt wird, ist eines der aktuell wichtigsten Projekte von UPM am Standort Schongau. Er gewinnt einen Großteil der eingesetzten Energie wieder zurück. „Der Reboiler macht aus Schmutzdampf besser nutzbaren Frischdampf“, erklärt Projektleiter Georg Goldbrunner in einfachen Worten, wie das Gerät funktioniert, das ein Teil der neuen Anlage ist.

Genutzt werden soll dieser Reboiler sowohl für die Produktion als auch für die Erzeugung von Fernwärme. Und zwar in der TMP-Anlage – die, Abkürzung von Thermo-Mechanical Pulp. Hier werden Hackschnitzel drei bis fünf Minuten lang mit zirka 110 bis 130 Grad heißem Dampf aufgewärmt. Bei dieser Temperatur erweicht das Lignin und der Faserverbund beginnt sich aufzulösen. Anschließend wird das Holz zwischen den Kanten eines Refiners zerfasert.

Zwei Scherlastkräne heben Anlage ins Gebäude

Der neue Reboiler ersetzt ein älteres Bauteil. Dies wurde im Jahr 1986 gebaut und hat damit seine besten Zeiten längst hinter sich. UPM investiert jetzt in eine „Anlage, die dem Stand der Technik entspricht“, so Goldbrunner.

Bis diese Anlage in Betrieb genommen werden kann, haben der Projektleiter und seine Kollegen allerdings noch jede Menge Arbeit vor sich. Während gestern die Reinigung des vom Transport beschmutzten Geräts auf der Tagesordnung stand, steht für heutigen Dienstag die nächste logistische Meisterleistung auf dem Programm.

Zunächst wird der Reboiler auf Schwerlastwägen aufgeladen. Per Funksteuerung wird das Monstrum dann durchs Werk gesteuert. An der TMP-Anlage wird die Anlage von zwei Schwerlastkränen übers Dach ins Gebäude hineingehoben. 15 Meter Gebäudehöhe plus 24 Meter Anlagen-Höhe: Da ist höhentechnisch schon etwas geboten. „40 Meter müssen wir mit dem Teil rauf, das ist schon ziemlich hoch“, schildert Goldbrunner.

UPM investiert Summe im siebenstelligen Bereich

Geplant ist es, die neue Anlage Ende Mai in Betrieb zu nehmen. Bis dahin gibt es noch viel zu tun: Rohre müssen verlegt werden, man muss dämmen, isolieren. „Ein Dach muss drauf. Also eigentlich alles, was zu einem Hausbau dazugehört.“

Mit dem Neubau der Wärmegewinnung investiert UPM eine nicht unbeachtliche Summe in den Standort Schongau: Die Investition liegt im siebenstelligen Bereich. Konkrete Zahlen möchte das Unternehmen nicht nennen.

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