Logistikbranche: Sind bereit für fünfte Welle

Zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 brechen zahlreiche Lieferketten zusammen. Für die nächste Welle sieht die Transportbranche sich aber gewappnet, Ausfälle könnten nun in der Regel kompensiert werden. Nach Angaben des Ifo-Instituts kommt es zurzeit aber noch zu Lieferproblemen.

Die Transportbranche sieht sich für die befürchtete Verschärfung der Corona-Lage gut aufgestellt. „Die Logistikbranche ist im Umgang mit dem anhaltenden Pandemiegeschehen inzwischen äußerst routiniert, sodass zum jetzigen Zeitpunkt trotz dünner Personaldecken keine versorgungsrelevanten Ausfälle größeren Ausmaßes zu befürchten sind“, sagte Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Spedition und Logistik (DSLV). „Entscheidend ist, dass die Politik nicht ad hoc Maßnahmen beschließt, sondern die Pandemieentwicklung antizipiert, Gesetzesänderungen mit Folgeabschätzungen verknüpft und diese mit ausreichendem Vorlauf ankündigt.“

In den bisherigen Corona-Wellen habe es kaum Ausfälle in Lieferketten wegen Infektionen bei Beschäftigten gegeben. Ursache seien vielmehr Maßnahmen wie Grenzschließungen gewesen. Die Branche sei sehr heterogen, sodass Ausfälle an einer Stelle in der Regel andernorts kompensiert werden könnten, sagte Huster. Nur wenige große Logistikkonzerne zählten zur kritischen Infrastruktur. Die Speditions- und Logistikbranche arbeite mit Hochdruck daran, die Versorgung von Industrie, Handel und Bevölkerung weiter sicherzustellen. „Viele Beschäftigte arbeiten im Homeoffice, und da, wo die Arbeit vor Ort durchgeführt werden muss, haben Logistiker in Betrieben aufwendige Hygiene-, Abstands- und Testkonzepte umgesetzt.“

Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) schlug unterdessen vor, den im März 2020 geschlossenen „Pakt zur Versorgung Deutschlands“ neu aufzulegen. In Abstimmung mit dem Bundesverkehrsministerium wolle man Anfang Januar über einen neuen Gütertransportpakt sprechen, sagte BGL-Vorstandssprecher Dirk Engelhardt dem „Tagesspiegel Background“.

Weil im Frühjahr 2020 viele Fahrer aus Osteuropa wegen der Pandemie in ihre Heimatländer zurückkehrten, brachen manche Lieferketten zusammen. Spediteure sprangen ein, Lkw wurden umgerüstet und umgeleitet. Als dringendes Problem in der Branche sieht der BGL indes den Fahrermangel. In Deutschland fehlen laut dem Verband 60.000 bis 80.000 Lkw-Fahrer. Jährlich wachse die Lücke um 15.000.

Ifo-Umfrage zeigt Lieferprobleme auf

Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts haben sich die Lieferprobleme im Einzelhandel jedoch zunächst deutlich verschärft. Vier von fünf Einzelhändlern (81,6 Prozent) klagten im Dezember, dass nicht alle bestellten Waren geliefert werden können, wie das Ifo mitteilte. Im November waren es 77,8 Prozent gewesen.

„Der Einzelhandel wird gerade doppelt belastet“, erklärte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. „Händler können nicht alle Produkte anbieten. Und Kunden sind angesichts der hohen Inzidenzen zurückhaltend beim Einkaufen.“

Besonders schwierig ist die Situation laut Umfrage im Handel mit elektronischen Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik. Dort berichteten fast alle Händler von Lieferproblemen. Ähnlich sieht es demnach bei den Baumärkten aus. Im Spielzeugwareneinzelhandel dagegen habe sich die Lage „ein wenig entspannt“, so das Ifo. Trotzdem berichten dort noch 77 Prozent der Händler von ausbleibenden Lieferungen.

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