Die Unterflur-Zugmaschine

Steinwinter-Konzept

Auf den ersten Blick nur ein Lkw-Anhänger, aber bei genauerem Hinsehen erspäht man die Steinwinter-Zugmaschine … Foto: Steinwinter Engineering

Lkw sehen alle gleich aus? Von wegen! Manfred Steinwinter hat mit seinem Supercargo-Konzept schon 1983 gezeigt, dass man Waren viel schöner transportieren könnte.

Kaum ein Gewerbe ist so zahlengetrieben wie der Gütertransport, Effizienz steht für Lkw-Speditionen nicht selten an oberster Stelle. Die konsequente Ausnutzung aller gesetzlichen Vorgaben hat unter anderem dazu geführt, dass die früher üblichen Langhauber mit ihrem langen Führerhaus und dem Motor vor der Fahrerkabine heute beinahe völlig ausgestorben sind: Weil Lastkraftwagen eine bestimmte Gesamtlänge nicht überschreiten dürfen, sind die heute üblichen Frontlenker ihnen klar überlegen. Genau hier setzt auch eine spannende Lkw-Studie aus dem Jahr 1983 an, denn der Steinwinter Supercargo genannte Concept-Truck wollte die gesamte Länge des Lastzugs als nutzbaren Laderaum bieten.

Um das zu schaffen, konstruierte Manfred Steinwinter eine Unterflur-Zugmaschine, die Antrieb und Fahrer komplett unterhalb des Trailers platzierte und so für eine äußerst ungewöhnliche Optik sorgte – auf den ersten Blick fährt hier ein Anhänger ohne Zugmaschine über die Autobahn! Wichtiger als die Optik waren freilich die praktischen Vorzüge, denn auf der 18 m langen Ladefläche ließen sich Güter mit einem Volumen von 150 Kubikmetern unterbringen.

Der Steinwinter-Truck hätte unser Lkw-Bild umgekrempelt

Dass die Steinwinter-Idee auch heute noch futuristisch wirkt, hat einen traurigen Hintergrund: Trotz ihres größeren Laderaums hat es das Truck-Concept aus Stuttgart leider nie in Serie geschafft. Die Gründe dafür sind vielfältig und hängen in erster Linie mit einer geänderten Gesetzeslage zusammen, die dem Konzept des Steinwinter-Lkw seinen wichtigsten Vorteil nahm: Seit 1990 ist die Gesamtlänge von Lastzügen auf 18,75 m limitiert, gleichzeitig wurde aber zugunsten des Fahrer-Komforts auch die nutzbare Ladefläche auf eine Länge von maximal 15,65 m festgeschrieben.

Die Unterflur-Vision hätte somit auch nicht mehr Laderaum als gewöhnliche Lkw mit Frontlenker-Zugmaschine bieten dürfen, aber im Alltag einige Nachteile mit sich gebracht. Hierzu zählt vor allem die eingeschränkte Sicht für Fahrende, die aus der extrem niedrigen Sitzposition resultiert. Außerdem war die Kühlung der von Mercedes bezogenen Antriebstechnik nicht unproblematisch, für einen großen Kühlluft-Einlass an der Front war in Steinwinters Konzept schließlich kein Platz vorgesehen.

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