„Über Geld spricht man nicht“, dieser alte Satz gilt am Stammtisch schon lange nicht mehr. Angesichts des massiven Fahrermangels und gestiegener Lebenshaltungskosten ist die Frage „Was bekommst du?“ die wichtigste der Branche. Im Jahr 2026 zeigt sich: Die Schere zwischen den Bundesländern klafft immer noch auseinander, aber Spezialisten können mittlerweile Rekordgehälter fordern. Wir machen den großen Gehalts-Check und zeigen, wo sich der Wechsel lohnt.
Der Durchschnitt: Das Basis-Gehalt steigt
Während vor einigen Jahren 2.200 Euro brutto noch Standard waren, liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt im Fernverkehr 2026 oft nicht mehr unter 2.600 bis 2.800 Euro Brutto (Grundgehalt ohne Spesen). Wer Erfahrung mitbringt, knackt schnell die 3.000er-Marke.
Das Nord-Süd-Gefälle bleibt
Leider hängt der Lohn immer noch stark vom Wohnort und dem Sitz der Spedition ab.
- Die Spitzenreiter: In Baden-Württemberg und Bayern werden aktuell die höchsten Löhne gezahlt. Hier sind Grundgehälter von 3.200 bis 3.600 Euro Brutto für erfahrene Fahrer im Fernverkehr keine Seltenheit mehr. Der Grund: Die dort ansässige Industrie (Automobil, Maschinenbau) zahlt gut und die Lebenshaltungskosten sind hoch.
- Das Mittelfeld: In NRW, Hessen und Niedersachsen pendelt sich der Markt solide zwischen 2.800 und 3.100 Euro Brutto ein.
- Der Osten holt auf: In Sachsen, Thüringen und Brandenburg steigen die Löhne prozentual am stärksten, liegen aber im Schnitt oft noch bei 2.500 bis 2.800 Euro Brutto. Doch Vorsicht: Hier sind oft die Mieten günstiger, sodass das Netto-Gefühl am Ende des Monats ähnlich sein kann.
Spezialisierung ist der Gehalts-Turbo
Wer „nur“ Plane fährt, verdient am wenigsten. Wer 2026 mehr Geld will, muss sich spezialisieren. Die Zuschläge für bestimmte Transporte sind massiv gestiegen:
- Gefahrgut (ADR) & Tank: Hier sind bis zu 4.000 Euro Brutto Grundgehalt möglich (besonders Chemie-Tarif).
- Schwertransport & Überbreite: Hohe Verantwortung wird gut bezahlt.
- Kipper/Baustelle: Oft besser bezahlt als der Fernverkehr, dafür körperlich anstrengender.
Nicht blenden lassen: Spesen sind kein Gehalt!
Ein wichtiger Tipp für Neueinsteiger: Lassen Sie sich im Vorstellungsgespräch nicht mit einem „Gesamtpaket“ ködern. Wenn ein Chef sagt: „Bei uns kriegen Sie 3.500 Euro raus“, meint er oft Gehalt PLUS Spesen PLUS Nachtzuschläge.
- Die Faustregel: Verhandeln Sie immer über das Brutto-Grundgehalt. Nur das zählt für Ihre Rente, das Krankengeld und die Kreditwürdigkeit bei der Bank (für Kredite oder Wohnungssuche). Spesen sind nur ein Ausgleich für das teure Leben unterwegs, kein Einkommen!
Fazit
Der Markt hat sich 2026 gedreht. Es ist ein Arbeitnehmermarkt. Wenn Sie seit Jahren keinen Cent mehr bekommen haben, aber in Bayern oder NRW zuverlässig Ihre Touren fahren, ist jetzt der richtige Zeitpunkt für ein freundliches Gespräch mit dem Chef.
Quelle: Eigene Marktrecherche / Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit / Redaktion BrummiOnline
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