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Gründung einer Basisgewerkschaft der Berufskraftfahrer in Polen

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    Protest gegen Union Busting
    »Bei Straßenblockade Macht fühlen«
    Billiglöhnerei für deutschen Markt. Lkw-Fahrer des polnischen Amazon-Subunternehmens Demotrans wollen Gewerkschaft gründen. Ein Gespräch mit Dawid Mazur


    Sie transportieren hauptsächlich Waren des Onlineriesen Amazon von Deutschland nach Polen und zurück. Wie sieht Ihr Job genau aus?

    In etwa so: 90 Prozent der Waren, die bei Amazon in Polen sortiert und verpackt werden, sind für den deutschen Markt bestimmt. Solange die Löhne in Polen sehr niedrig sind, haben wir nicht das Geld, um so viel wie in Deutschland zu konsumieren. Und es ist günstiger für Amazon, den Treibstoff zu bezahlen als die Arbeiter in Deutschland. Die Arbeitszeit eines Truckers beträgt 13 bis 15 Stunden am Tag. Ich verbringe mindestens 22 Tage im Monat auf dem Fahrersitz und erhalte dafür 1.250 Euro netto.

    Wie organisieren Sie die Arbeiter in Ihrem Betrieb?

    Im Februar dieses Jahres begannen wir damit, Flugblätter für höhere Löhne zu verteilen. Im März führte ich eine Befragung der Fahrer durch. Es ging um die Arbeitsbedingungen und darum, was geändert werden sollte. Dann erhielt unser Unternehmen eine Art Preis für das schlechteste Transportunternehmen in Polen. Wir organisierten diesen »Wettbewerb« mit meiner Gewerkschaft Inicjatywa Pracownicza, IP. Bei Demotrans sind 1.000 Arbeiter beschäftigt. Die Leute versuchen sich da zu organisieren. Sie kommen nicht aus der linken Szene, sie sind Arbeiter. Sie nehmen an der Befragung teil und helfen, Flyer zu verteilen. Manchmal lerne ich von ihnen, wie man sich gegen die Befehle des Chefs wehrt. Es ist nicht so, dass ich als Organizer die Arbeiter erleuchte. Die Organisation der Arbeiter ist dort über Jahre gewachsen.

    Was passiert noch?

    Zwei Kollegen haben vor einigen Monaten eine geschlossene Gruppe auf Facebook für die Fahrer eingerichtet. Diese hat jetzt 260 Mitglieder. Die Leute sprechen dort freier, können die Firma kritisieren. Sie koordinieren sich, nehmen über diesen virtuellen Kanal an der Befragung teil und formulieren Forderungen. Es wäre praktisch, eine formale Struktur der Gewerkschaft im Betrieb zu haben. In der gesamten polnischen Transportbranche gibt es keine Gewerkschaft. Rund 400.000 Menschen arbeiten in diesem Sektor, 25 Prozent aller internationalen Truckfahrer in der Europäischen Union sind bei einem Transportunternehmen beschäftigt, das in Polen ansässig ist. Allgemein stehen die Fahrer durch die Bosse konstant unter Druck, keine Gewerkschaft zu gründen.

    Gibt es seitens des Unternehmens Druck gegen Ihre Organisation?

    Ja, definitiv. Einige Leute waren eingeschüchtert, weil es diese Gerüchte gab, dass diejenigen, die die Flugblätter verteilen, sofort entlassen werden. Wir versuchen jetzt, die Betriebsvereinbarung ausgehändigt zu bekommen. Wenn Kollegen nur einen kurzen Blick darauf werfen wollen, riskieren sie, entlassen zu werden. Mit einer Gewerkschaft hätten wir formal den Zugang zu allen Dokumenten des Unternehmens. Auch die zwei Kollegen, die die Facebook-Gruppe eröffneten, wurden entlassen. Die Geschäftsführung sucht online und offline nach meinem Klarnamen. Wir hängen von der Unterstützung der Lagerarbeiter oder von den Aktivisten ab, die neben den Lagerhäusern von Amazon stehen und unsere Flugblätter an andere Fahrer verteilen können. Wenn jemand uns in Deutschland unterstützen möchte, kann er mich über die IP kontaktieren.

    Im vergangenen Dezember haben Sie und Ihre Kollegen eine Blockadeaktion durchgeführt. Was war der Anlass?

    Amazon verweigerte den Lagerarbeitern in Wroclaw den Weihnachtszuschlag. Deswegen führten die Arbeiter zusammen mit Truckfahrern und Sympathisanten am 15. Dezember eine effektive Blockierung der Lagertore durch. Amazon gab nach dieser Aktion nicht nach. Aber wir fühlten bei der Straßenblockade unsere Macht und wollen in Zukunft weitere Aktionen durchführen.

    Was sind Ihre Hauptforderungen?

    Erstens: Wir fordern zehn Euro mehr Lohn am Tag. Die zweite Forderung ist eine Kompensation für die Wegstrecke zum Arbeitsplatz und zurück. Die dritte Forderung wurde schon im April erfüllt. Das Unternehmen wollte unseren Urlaub kürzen, das konnten wir verhindern. Viertens: Wir wollen mehr Freizeit. Man sollte ein System von zwei Wochen Arbeit und einer freien Woche einführen. Die fünfte Forderung ist ein Bonus für die Nachtschicht. Und die sechste Forderung richtet sich an die Regierung: Wir wollen mindestens fünf Jahre früher in Rente gehen. Wegen der harten Arbeitsbedingungen, mit denen wir es zu tun haben.
    https://www.jungewelt.de/artikel/407...C3%BChlen.html

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