Reichenbach: Nadine Helget ist weit und breit die
jüngste Fahrschullehrerin für Brummis - Die 25-Jährige gibt bei Hensel
und Gretel richtig Gas
25 Jahre jung und seit einer Woche Vogtlands
jüngste Fahrschullehrerin für Lastzüge: Nadine Helget von der Fahrschule
Hänsel und Gretel Reichenbach.
Foto: Franko Martin
Reichenbach. Frauen sind die besseren Autofahrer. Da
hegt Nadine Helget keine Zweifel. "Denn sie fahren sicherer und
zurückhaltender als Männer."
Wenn Nadine mit einem Vierzigtonner in einer sich
verengenden Straße unterwegs ist, steigt sie schon mal aus, läuft um die
nächste Kurve und berechnet die Chancen auf ein sicheres Passieren des
Nadelöhrs. Sicher ist sicher. In engen Gassen sind schließlich schon ein
paar Herren der Schöpfung mit ihren Lastzügen stecken geblieben.
Klar ist also: Nadine Helget hat den Bogen raus, und das
sogar ganz amtlich verbrieft. Die Lkw-Fahrerin aus Tirschendorf bei
Schöneck ist in der Reichenbacher Fahrschule und Spedition Hänsel und
Gretel Fahrschullehrerin für die ganz dicken Brummis. Und mit 25 Jahren
dürfte sie nicht nur im Vogtland die jüngste Frau ihrer Zunft sein.
Seit einer Woche. Da hatte Nadine Helget in der
Chemnitzer Landesdirektion die letzte Prüfung hinter sich. Theorie,
schriftlich und mündlich, und die praktische Prüfung. Was war schwerer?
"Naja, also durch Chemnitz mit Anhänger und allen Schikanen bei den
ganzen Baustellen, das war schon anstrengend", sagt Nadine und denkt an
die anderthalb Stunden durch das vormittägliche Chemnitz, über Land und
auf der Autobahn zurück. Mit zwei Prüfern im Cockpit, die trotz einer
jungen Frau am Steuer keine Geschenke verteilten.
Angaben über die Route gab's oft nur
unmittelbar vor der nächsten Kreuzung. Jetzt rechts, jetzt links, bitte
geradeaus. Und so weiter. An einer Baustelle Männer in ihren Autos, die
sich noch schnell vor der Verjüngung der Straße auf eine Spur am Laster
vorbeimogeln wollten. "In solchen Situationen muss man ruhig reagieren
und alles tun, um eine Situation zu entschärfen.
Partnerschaftliches Bewegen gehört zum Fahrschulalltag wie
die Verkehrsordnung oder betriebswirtschaftlich vernünftiges Fahren",
erläutert Nadine Helget. Alles ging gut, die Herren stiegen wohlbehalten
an der Verkehrsakademie aus. Eine glatte Eins war's aber nicht. "Ich
war halt zu zügig unterwegs", gibt Nadine zu und lacht. Sie hielt mit
dem Brummi zwar die Höchstgeschwindigkeiten ein, fuhr aber nach Meinung
der Prüfer nicht immer der Situation angemessen.
In der Speditionsbranche mit Termindruck ohne
Ende kein Wunder. Nadine Helget, das war eine Voraussetzung auf dem Weg
zur Brummi-Fahrschullehrerin, hat bei Hänsel und Gretel tausende
Kilometer im Speditionsbetrieb geschrubbt. Das macht sie bei Bedarf
immer noch. Daneben lernten ungezählte Fahrschüler bei ihr das
unfallfreie Steuern eines Autos. Und nicht nur das. Frauen sind nicht
nur die besseren Autofahrer, sie misstrauen auch den Segnungen moderner
Technik.
"Ein Atlas ist immer noch besser als ein Navi, das dich in
unmögliche Situationen bringt", sagt Nadine. Zum Beispiel auf eine
Dorfstraße, die für Fahrzeuge ab dreieinhalb Tonnen gesperrt ist. Oder
an eine Brücke, mit zweieinhalb Metern Höhe für den vier Meter hohen
Brummi einfach zu klein. Wenn Nadine Helget über solche Fallstricke
redet oder über Verkehrsteilnehmer, bei denen es in der Theorie "und
beim Mitdenken" hapert, dann schimmert ein wenig der erlernte Beruf der
Fahrschullehrerin durch: Rechtsanwalt- und Notarfachangestellte,
Spezialisierung Straßenverkehrsrecht.
Quelle: freiepresse